1389 - Forza SGE

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zigoR
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Re: 1389 - Forza SGE

Beitrag von zigoR » Fr 30. Nov 2018, 21:04

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Hanauer Söldner (Serjeants)
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Re: 1389 - Forza SGE

Beitrag von Krautwerk » Fr 30. Nov 2018, 21:47

Sehr cool! :up :up

Da du ja bewandert bist in der historischen Materie:
Wenn Städte wie z. B Gelnhausen ein Kontingent stellen mussten um irgendeinen Feldzug zu unterstützen, inwieweit waren das 'Profis' wie deine Hanauer Söldner (gute Bewaffnung/Rüstung, einheitliche Überwürfe, bemalte Wappenschilde etc.) ?

Haben die Stadtväterchen dann in die Kasse gegriffen und Söldner angeheuert, Zwangsrekrutierte äh Freiwillige aka die Bürgerwehr ist losgeschickt worden oder hat man sogar eventuell eine eigene kleine Truppe unterhalten?

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Re: 1389 - Forza SGE

Beitrag von zigoR » Fr 30. Nov 2018, 22:45

Danke :)

Im Fehdefall ("Kleine Reiterei") oder Kriegsfall ("Große Reiterei") wurden von den streitenden Parteien Kontingente aufgestellt, diese waren volkommen unterschiedlicher Qualität und Ausrüstung, je nachdem wie gut die Kasse gefüllt war oder vorher Verträge mit Verbündeten geschlossen wurden.

Der Normalsterbliche war ja unfrei und konnte daher in den Kriegsdienst gezwungen werden, im Gegensatz zu Bürgern von freien Städten (natürlich erst im Spätmittelalter). Letztere haben zum Beispiel in der Schlacht von Eschborn 1389 in Kontingenten ihrer Handwerkszünfte gekämpft, und extrem auf die Mütze bekommen. Dann gab es noch niedrige Adlige und deren Angestellte , also auch Knechte im Endeffekt. Gerüstete und berittene Berufskrieger wurden Reisige genannt. Diese wurden von Städten und Burgen meist in sehr kleiner Anzahl vorgehalten. Die Besatzung allgemein war weit geringer als man annehmen würde, bisweilen sogar lachhaft Wenige, teilweise nur 2-3 Mann pro Burg. Ich zitiere kurz aus diesem tollen Buch:
Christian Ottersbach, Die Burgen der Herren und Grafen von Hanau (1166-1642) (= Hanauer Geschichtsblätter 51), Hanau 2018
Seite 155
[...]die Anzahl der Burgmannen richtete sich nach der Größe und Bedeutung einer Burg, doch waren diese nicht immer auf dieser anwesend, mussten also erst in Notzeiten dieselbe besetzen. Und im Ernstfall wurden auch Aufgebote der Untertanen und angeworbene Kriegsknechte in der Burg einquartiert. Im Frieden unterhielt man hingegen auf manchen Burgen nicht mehr als zwei Wächter.
Man muss sich das so vorstellen, dass fast jedes Kaff im Endeffekt von einem niedrigen Adligen und ein paar seiner Knechte unter Waffen "kontrolliert" wurde und diese per Vertrag mit dem jeweiligen Lehnsherren im Kriegsfall unterstützt wurden oder unterstützen mussten.
Christian Ottersbach, Die Burgen der Herren und Grafen von Hanau (1166-1642) (= Hanauer Geschichtsblätter 51), Hanau 2018
Seite 155
[...]In der Lehnsauftragung der Burg Nieder-Rosbach durch Freidrich, Ruprecht und Gerlach von Carben an Ulrich III. von Hanau wurde vereinbart, dass der Hanauer im Kriegsfall zur Unterstützung der Ritter von Carben deren Burg mit zwei bis drei Knechten besetzen sollte, um diese zu hüten und zu vertiedigen. Selbst in Fehdezeiten ist also nicht immer mit einer großen Anzahl an Verteidigern zu rechnen, denn die Herren von Carben werden nicht viel mehr eigene Wächter in Dienst gehabt haben und über eigene Burgmannen als kampferprobte Experten des Kriegshandwerrks verfügten sie als Niederadelige nicht.


Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Kriegsknechte nicht unbedingt schlecht ausgerütet waren, machen bisweilen sogar sehr gut, komplett gerüstet (mit Spieß und Hauptharnisch)! Dies war teilweise sogar in den Lehnsverträgen so festgeschrieben. Ausserdem gibt es im o.g. Buch sehr viele Inventarlisten was die Waffen- und Rüstkammern angeht. Auch mit Schwarzpulverwaffen wurde nicht gegeizt.

Genaue Angaben ob die Kontingente "einheitlich" ausgerüstet oder gekleidet waren habe ich bis dato noch nicht gefunden. Ich gehe davon aus, dass je nach Prestigebewusstsein des Dienstherren auch entsprechende Überwürfe o.ä. bereitgestellt wurden und nicht jeder nur im ungefärbten Leinengambeson rumgerannt ist.

Soweit :)


Noch ein Satz zu Größenverhältnissen von TT-Einheiten und Realität: Ich denke, das kommt für meinen Fall (Lion Rampant Größenordnung ~48 Mann pro Seite) ungefähr hin. Das Szenario spielt ja kurz nach der Schlacht von Eschborn, ergo werden in Windecken noch ein paar Knechte zugegen gewesen sein. Bei den Frankfurtern muss man ein wenig Fantasie walten lassen, wurden diese doch vernichtend geschlagen ;) Vielleicht hat man noch ein paar Groschen zusammengekrazt und diese eher in Söldner investiert als in den "Freikauf" der Gefangen.. wer weiss das schon :mrgreen:
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Re: 1389 - Forza SGE

Beitrag von zigoR » Fr 30. Nov 2018, 23:40

Nachtrag, gerade nochmal recherchiert: die Frankfurter Handwerkerkontingente bei Eschborn waren nicht freiwillig dabei, sondern wurden zwangsweise verpflichtet
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Re: 1389 - Forza SGE

Beitrag von Krautwerk » So 2. Dez 2018, 15:32

Danke, das nenn ich mal Infos. Super spannend :up :up
zigoR hat geschrieben:
Fr 30. Nov 2018, 22:45
Die Besatzung allgemein war weit geringer als man annehmen würde, bisweilen sogar lachhaft Wenige, teilweise nur 2-3 Mann pro Burg.
Ah, stimmt. Ich erinnere mich düster von einer Gelnhäuser Stadtführung, dass auch nur max 2-3 Mann gerüstete Stadtwache in Gelnhausen anwesend waren, die aber in Friedenszeiten auch nur quasi 'Polizeiaufgaben' erfüllt haben.
Die Zünfte mussten im Kriegsfall die Stadt verteidigen. Jede Zunft hatte auch ihren eigenen Mauerabschnitt, den sie Instand halten musste.

Denke auch, dass die Stadtväterchen im Falle eines zu stellenden Kontigents in die Stadtkasse gegriffen haben und eine entsprechende zuständige Schutzmacht die eigentlichen Truppen gestellt hat. Wie du das auch schon ausgeführt hast. Denke mal die örtlichen Kaufleute und Handwerker hatten da wenig Lust drauf selbst in einen Konflikt zu stiefeln, zumal die Stadt sehr vermögend war. Ging erst im 14./15. Jahrhundert los, dass es im Grunde Berg ab ging mit zahlreichen Verpfändungen.
Bis hin zum Dreißigjährigen Krieg, wo im Grunde jedes Heer mal Gelnhausen gerapt hat, weil wir schön im Durchzugsgebiet liegen. Glaube 1648 haben von ehemals mehreren Tausenden nur noch etwa hundert Bürger in Gelnhausen gelebt.

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