DBMM Schlachtbericht - Jensinions Seleucid vs Arnims Phyrric, 03.07.22

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DBMM Schlachtbericht - Jensinions Seleucid vs Arnims Phyrric, 03.07.22

Beitrag von Jensinion » Sa 13. Aug 2022, 19:32

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Am 3. Juli diesen Jahres hatte Pyrrhos, König von Epirus, Abkömmling des Achilleus, verwandt mit Alexander dem Großen, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen: Sollte er mit seiner 400 AP starken Invasionsarmee nach Westen oder nach Osten aufbrechen? Da im Westen, in Italien, vermutlich nur Pyrrhossiege auf ihn warten würden, entschied er sich, gen Osten aufzubrechen und in das ebenso mächtige wie große Seleukidenreich einzufallen. Als Reminiszenz an Italien führte er aber eine gehörige Anzahl italischer Söldnertruppen mit (Osker, Tarentiner, italische Hopliten). Es war an einem schönen Sommermorgen, als König Seleukos sich ihm mit seiner Armee entgegenstellte und eine aufregende und streckenweise ergebnisoffene Schlacht entbrannte.



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(1) Arnim, gegen den ich noch nie zuvor gespielt hatte, übernahm die Rolle des Pyrrhos (in der nicht-brillanten Version), ich selbst schlüpfte in die Rolle von Seleukos. Da die Seleukiden die Verteidiger waren, durften sie mehr Gelände wählen, mussten ihre Armee aber als erste aufstellen. Ich legte einen großen Gentle Hill mittig in das seleukidische Aufmarschgebiet, zwei kleine Rough Hills links daneben, sowie einen mittelgroßen Rough Hill, der ganz weit hinten am Schlachtfeldrand der gegnerischen Seite landete. Arnim legte einen mittelgroßen Gentle Hill in seine rechte Aufmarschzone, ein weiterer Rough Hill landete in meiner Zone unweit der beiden schon liegenden Rough Hills und - unerwartet für die Seleukiden - ein Vineyard überlagerte schließlich den Südhang des großen Gentle Hills. Zudem legte Arnim eine Straße, die quer über das Schlachtfeld führte.

Die Seleukiden platzierten ihr Hauptkommando (Kommando 2), das aus 24 Abteilungen Phalanx, darunter die elitären Argyraspiden (Silberschilde), bestand, zentral auf dem großen Hügel. Flankiert wurden die Phalangiten rechts und links von leichteren Truppen (vor allem Kappadokier und Kreter, letztere im Vineyard). Der linke Flügel (Kommando 1), der hauptsächlich aus den ebenso schlagkräftigen wie geländefähigen Thorakitai, aber auch einigen schweren Gefährten-Reitern ("Companions") und leichten Beduinen-Kamelen bestand, bezog Stellung inmitten der Rough Hills. Auf dem rechten Flügel (Kommando 3) stand die Reiterei, die hauptsächlich aus schweren, teilweise gepanzerten Einheiten bestand, aber auch einige Plänkler-Fußtruppen.

Pyrrhos stellte seine gesamte Armee demgegenüber versetzt auf - der Schwerpunkt lag in der rechten Hälfte (von ihm aus gesehen) seiner Aufmarschzone. Ganz rechts außen, direkt gegenüber den Rough Hills, positionierte er Kommando 1, das hauptsächlich leichte und mittelschwere, geländefähige Truppen beinhaltete. Direkt angrenzend, vis-à-vis der Lücke zwischen dem Vineyard und dem vordersten der Rough Hills, marschierte das zentrale Kommando 2 auf, das aus einer großen (wenngleich numerisch wie qualitativ den seleukidischen unterlegenen) Menge an Phalangiten bestand. Mit einigem Abstand wurde das Reiterkommando 3 auf dem linken Flügel platziert, es bestand aus mittelschwerer griechischer Kavallerie und schwerer makedonischer Reiterei.

Die Generalität der Seleukiden wurde von dem Aufmarsch der gegnerischen Armee zum Teil auf dem falschen Fuß erwischt. Das mächtige Zentrum hatte praktisch keinen direkten Gegner, dafür sah sich der linke Flügel einer starken Übermacht gegenüber. Auf dem rechten Flügel war die Situation dagegen hoffnungsvoller, hier würde die überlegene seleukidische Reiterei wohl (scheinbar) leichteres Spiel haben. Demzufolge sollte das linke Kommando nur Verzögerungsoperationen ausführen, das zentrale Kommando in eine irgendwie geeignete Position manövriert werden, um zum Einsatz kommen zu können, und das rechte Kommando zum sofortigen Angriff nach vorne geschickt werden. Die PIP-Zuteilung folgte dieser Strategie: Kommando 1 bekam den niedrigsten PIP-Würfel zugewiesen, Kommando 2 den mittleren und Kommando 3 den höchsten.



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(2) Trotz der defensiv angedachten Strategie auf dem linken Flügel ließ Seleukos dort die Thorakitai (Ax (S)) über den Kamm des Rough Hills vorrücken, damit sie in der erwarteten Attacke der gegnerischen Truppen den Defensivvorteil der Hügelstellung würden ausnutzen können. Besonders wagemutig stürmte die kleine Abteilung Beduinen-Kamele (LH (I)) über den linken Rough Hill dicht vor den gegnerischen Linien nach ganz links außen, mit dem Ziel, später die offene Flanke des Gegners bedrohen zu können. Die Gefährten (Kn (F)) zogen ebenfalls nach links.

Im Zentrum rückte die Phalanx leicht vor und schwenkte nach links ein, um die gegnerische Phalanx ins Visier nehmen zu können. Zur Unterstützung der linken Flanke des Zentrums wurden die Plänkler aus dem Kommando 3 von ganz rechts hinter dem Rücken der Phalanx vorbei in Richtung des Vineyards beordert - ein allzu weiter Weg, wie sich herausstellen sollte. Auf dem rechten Flügel stürmte die gesamte Reiterei nach vorne vor, die schweren Verbände in einer langen Kolonne weiter innen, die leichten Einheiten weiter außen. Und da ereignete sich auch schon der erste Rückschlag für die Seleukiden: Pyrrhos hatten einen Hinterhalt (Stratagem "Ambush"), bestehend aus leichter Reiterei, die sich hinter der Kuppe des Hügels verdeckt gehalten hatte, vorbereitet! So kam es, früher als erwartet, in dieser Phase bereits zu Feindkontakt, der sich für die leichten Reiter der Seleukiden, die rasch hart flankiert wurden, blutig entwickelte...

Ansonsten ließ Pyrrhos seine Armee in dieser Phase der Schlacht geordnet in Stellung bringen. Auf seinem rechten Flügel rückten die numerisch überlegenen Geländetruppen des Kommandos 1 in geschlossener Linie stetig in Richtung der Hügel vor. Die Phalanx folgte etwas verzögert nach; sie ignorierte ihre gegnerischen "Kollegen" auf dem Gentle Hill und war offenbar bestrebt, in die Lücke neben dem Vineyard vorzustoßen. Die Elefanten, die ja dem Kommando 1 auf dem rechten Flügel zugeordnet waren, machten sich auf den Weg in Richtung des linken Flügels, wo sie potentiell gegen die schweren Reiterverbände der Seleukiden würden Verwendung finden können. Auf seinem linken Flügel ließ Pyrrhos die schwere Reiterei (Kn (F)) auf dem Gentle Hill einschwenken. Lediglich die griechische Kavallerie (Cv (O)) blieb immobil, die seleukidische Phalanx der Seleukiden beäugend sowie gebührenden Abstand zur gefährlichen schweren seleukidischen Reiterei haltend.



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(3) In der mittleren Phase der Schlacht gab es Ereignisse an allen Orten. Ganz links außen am Rand des äußersten Rough Hills haben die Beduinen-Kamele die leichten Fußtruppen des Gegners in Kämpfe verwickeln können, in denen die Beduinen zwar letztlich unterlagen, aber immerhin die Gelegenheit des harten Flankierens der gegnerischen Truppen ausnutzen konnten. Auf dem benachbarten, weiter gen Zentrum liegenden Rough Hill waren die seleukidischen Thorakitai dank einer hohen Kampfmoral (Würfelglück) überraschend erfolgreich und haben, trotz numerischer Unterlegenheit, den hügelaufwärts angreifenden gegnerischen Truppen hohe Verluste beschwert. Die Klärung dieses Hügels gestaltete sich insofern schwerer, als vermutlich von Pyrrhos erwartet. Seine Phalanx ließ Pyrrhos in nunmehr gestaffelter Formation weiter in die Lücke neben dem Vineyard vorrücken. Links unten operierte die Gefährten-Reiterei der Seleukiden etwas planlos, indem sie mit einer Kehrtwende wieder zurück nach rechts beordert wurden, ohne in dieser Phase einen geeigneten Gegner oder ein geeignetes Operationsziel ausfindig machen zu können.

Ähnlich erging es den Seleukiden im Zentrum: Auch hier mangelte es ihnen an einem unmittelbar erreichbaren Ziel. Die Phalanx rückte leicht vor, in Teilen den Hügel bereits verlassend. Die Plänkler im Vineyard positionierten sich in einer schrägen Linie, um sowohl die vorrückenden Phalanx-Kolonnen des Gegners bedrohen und zugleich die linke Flanke der eigenen Phalanx schützen zu können. Die Plänkler aus dem Kommando 3 haben endlich den Vineyard erreicht. Auf dem rechten Flügel konnte die leichte Reiterei der Seleukiden dem aus dem Hinterhalt resultierendem Angriff nicht standhalten und wurde vollständig vernichtet. Teile der schweren Reiterei hat Seleukos in einer Linie vor dem Hügel formiert - in ihrer rechten Flanke unterstützt von den Kappadokiern (Ax (O)), die vom Zentrum aus beordert wurden, die aus dem Verlust der leichten Reiterei resultierende Lücke zu schließen, damit die Reiterei nicht von rechts her ausflankiert werden kann. Ein anderer Teil der schweren Reiterei der Seleukiden stößt Richtung Zentrum vor, direkt vor dem rechten Teil der eigenen Phalanx operierend, die griechische Kavallerie (Cv (O)) ins Visier nehmend.

Genau diese Kavallerie wird von Pyrrhos in einem klugen Schachzug um 180° geschwenkt und zurückgezogen. Gleichzeitig haben sich am oberen Schlachtfeldrand die Elefanten, geschirmt von einer vorgelagerten Plänkler-Linie, in Stellung gebracht. Auf dem Hügelkamm hat Pyrrhos die schwere Reiterei in Linie formiert.



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(4) In dieser Phase der Schlacht musste sich das linke Kommando der Seleukiden auf dem Rough Hill schließlich geschlagen geben, da auch die gegnerische Phalanx mit Flankenattacken an den Kämpfen beteiligt war. Das Kommando ist gebrochen; der zugehörige schwere Reiterverband ist am unteren Schlachtfeldrand zum Stillstand gekommen (blauer Kreis). Zum Stillstand gekommen sind auch die seleukidischen Einheiten im Vineyard - die Plänkler aus dem rechten Kommando, die soeben erst angekommen waren, weil sie außerhalb der Kommandoreichweite ihres Befehlshabers standen, die übrigen Plänkler, weil alle verfügbaren PIPs für die Phalanx, konkreter die Argyraspiden unter ihnen, verwendet wurden: Diese sahen, nachdem sie das Hindernis des Vineyards passiert hatten, endlich die Möglichkeit zum Angriff auf die gegnerische Phalanx, die zu diesem Zeitpunkt noch drauf und dran war, in die Lücke neben dem Vineyard vorzudringen. Dazu wurden die Argyraspiden in einzelnen Kolonnen nach links eingeschwenkt. Pyrrhos indessen reagierte auf dieses Manöver, indem er Teile seiner Phalanx eine Kehrtwende vollziehen ließ und somit aus der Lücke wieder zurückzog.

Auf dem rechten Flügel versuchte Seleukos, seine schwere Reiterei gegenüber der auf dem Hügel platzierten gegnerischen schweren Reiterei in eine bessere Position zu bringen; dies erfolgte durch kostspielige Einzelbewegungen. Letztere - die schwere Reiterei von Pyrrhos - verharrte einstweilen noch unbewegt auf dem Hügel. Weiter im Zentrum rückte die seleukidische Reiterei weiter vor in Richtung der gegnerischen griechischen Kavallerie, welche sich nach einer abermaligen Kehrtwende im rückwärtigen Raum neu formierte. Zugleich ließ Pyrrhos seine Elefanten stetig vorrücken - eine potentiell gefährliche Situation für die schwere Reiterei der Seleukiden, die fahrlässig nahe an den vorrückenden Elefanten operierten.



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(5) Die letzte Phase der Schlacht. Während am unteren Schlachtfeldrand die Reste des gebrochenen seleukidischen Kommandos 1 fliehen, hat Pyrrhos die eine Hälfte seiner Phalanx mit einem Rechtsschwenk gegen die nach links ausgerichtete Phalanx der Seleukiden in Stellung gebracht. Ein anderer Teil seiner Phalanx ist zwar bereits reorganisiert, steht aber mit Blickrichtung nach unten nach wie vor in der Lücke neben dem Vineyard. Die Phalanx der Seleukiden ist zu diesem Zeitpunkt ebenfalls zweigeteilt: Während der linke Teil (die Argyraspiden) bereit ist, nach links gegen die gegnerische Phalanx zu ziehen, rückt der rechte Teil geradeaus nach vorne vor, wo eine der beiden Reiterschlachten tobt.

Leider kommen alle diese Manöver zu spät, denn die Entscheidung fällt in den Reiterkämpfen. Ganz rechts hat Pyrrhos seiner Reiterlinie schlussendlich den Angriffsbefehl erteilt. Obwohl diese in der Attacke vom Hügel herab einen Vorteil genießen (hier hatte Seleukos seine Linie zu weit vor dem Hügel positioniert; andererseits wollte er dem Gegner aber dort auch nicht zu viel Raum lassen, damit dieser nicht verleitet würde, nach links gegen die offene Flanke der Phalanx zu ziehen), schlagen sich die Seleukidenreiter ausgezeichnet und fügen dem Gegner höhere Verluste zu, als sie selbst erleiden. Der Reiterkampf neben dem Hügel, Richtung Zentrum, hingegen verläuft für die Seleukiden katastrophal: Pyrrhos gelingt es, seine Elefanten gegen Teile der schweren seleukidischen Reitereinheiten zu ziehen, die diesen Angriffen nicht standhalten können. Gleichzeitig gelingt es den seleukidischen Reitern auch nicht, signifikante Erfolge gegen die griechische Kavallerie zu erzielen, die endlich in Reichweite gekommen ist. Die Verluste summieren sich. Das Reiterkommando 3 bricht schließlich, wodurch in der Folge die gesamte Armee der Seleukiden zusammenbricht.

Es war eine sehr spannende und nervenaufreibende Partie. Gegen Arnim hatte ich, wie gesagt, noch nie gespielt; er ist schon ein gewiefter General. Für meine Seleukiden war es der dritte Kampfeinsatz, und es ist mir immer noch nicht gelungen, meine Hauptstreitmacht, die Phalanx, effektiv einzusetzen. Die Aufstellung von Arnim, der seine Armee als zweiter aufstellen durfte, hat meine Schlagkraft wirkungsvoll neutralisiert. Ich hätte die Phalanx früher vom Hügel hinunterziehen und in die Schlacht schicken müssen... Mir fehlt es aber leider noch an Übung in der Kommandierung solch großer Verbände; ich war zu sehr auf den Flankenschutz bedacht und agierte deshalb zu vorsichtig.

Aber was soll's... Die Phalanx hat die Schlacht überlebt und das Seleukidenreich ist groß. Eine neue Armee wird eine neue Entscheidung bringen. War es also am Ende vielleicht doch nur ein Pyrrhossieg...? ;)

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Re: DBMM Schlachtbericht - Jensinions Seleucid vs Arnims Phyrric, 03.07.22

Beitrag von vodnik » So 14. Aug 2022, 11:03

...sehr spannend...
...meine Homepage ist für alle Hilfesuchenden erreichbar; www.tabletopinzuerich.ch, aber vor allem für historische Spieler, unter euch, mit Tipps zu ADG, DBX & Triumph in vielen Epochen....

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Re: DBMM Schlachtbericht - Jensinions Seleucid vs Arnims Phyrric, 03.07.22

Beitrag von Theodenatas » Di 13. Sep 2022, 18:35

Ein super Bericht... Habe ich glatt übersehen. Sehr spannend und alles lässt sich sehr gut nachverfolgen.
Gruss
Carlos :omfg
May the Force be with you

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