DBMM Schlachtbericht - Jensinions Early Byzantine vs Rainers Italian Ostrogothic, 18.10.22

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Jensinion
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DBMM Schlachtbericht - Jensinions Early Byzantine vs Rainers Italian Ostrogothic, 18.10.22

Beitrag von Jensinion » Fr 28. Okt 2022, 15:26

Am 18.10.2022 trafen meine frühen Byzantiner abermals auf Rainers italienische Ostgoten, womit zugleich die Runde 3 der mit 240 Army Points ausgetragenen DBMM-Minikampage "Kampf um Rom" eingeläutet wurde. Inzwischen ist das Jahr 545 n. Chr. angebrochen. Die letzte Schlacht hatten die Byzantiner glorreich gewonnen, was ihnen in der Folge enorme Gebietsgewinne in Italien beschert hatte. Meine Byzantiner gingen dementsprechend hochmotiviert in diese Schlacht :party - und erlebten, um es vorwegzunehmen, ein Desaster ohne Gleichen! :zombie



Battlereport_Early_Byzantine_vs_Italian_Ostrogothic_3_01.jpg
(1) Die Byzantiner, aggressiv wie immer, waren die Angreifer. Sie wählten einen kleinen, mit Büschen bewachsenen Hügel, der am hinteren Rand der ostgotischen Aufstellungszone landete, sowie eine kleine felsige Ebene, die wunschgemäß in der eigenen Aufstellungszone gelegt werden konnte. Die Ostgoten wählten einen kleinen Sumpf, den sie in ihrer linken Aufstellungszone legen konnten, zwei kleine sanfte Hügel, von denen einer in ihrer Zone - der Felsebene gegenüber - gelegt wurde, während der andere ganz hinten in der byzantinischen Zone landete. Sie wählten außerdem eine Straße, die aber nicht gelegt werden konnte. Alles in allem war es ein recht vorteilhaftes Schlachtfeld für die Ostgoten, die mit dem sanften Hügel über eine gute Defensivposition und mit dem Sumpf über einen wirksamen Flankenschutz verfügten.

Die Ostgoten mussten ihre Armee, die ausschließlich aus irregulären Truppen bestand, zuerst aufstellen. Sie bestand aus drei Kommandos, die recht kompakt neben- und teilweise hintereinander positioniert wurden. Auf dem rechten Flügel nahmen die Speerträger etwas nach vorne versetzt auf dem sanften Hügel Stellung; die Hauptmasse der schweren Reiterei befand sich stellenweise mehrere Linien tief gestaffelt im Zentrum und auf ihrem linken Flügel.

Danach stellten die Byzantiner ihre Armee, die bis auf die Plänkler nur aus regulären Truppen bestand, auf. Die byzantinische Generalität war vor Beginn der Schlacht von der (falschen) Annahme ausgegangen, die Ostgoten würden mit dem Hauptteil ihrer schweren Reiterei Position auf dem sanften Hügel beziehen, während sie mit ihren Plänklern den Sumpf besetzen würden, um von dort aus wirksam die Flanken der byzantinischen Truppen bedrohen zu können, wenn letztere in die Tiefe der Ebene hinein vorstoßen würden. Entsprechend hatte sie die Aufstellung ihrer Truppen im voraus geplant: Die Bogenschützen sollten in die felsige Ebene gestellt werden, von wo aus sie die gegenüberliegenden Truppen würden bedrohen können, selbst aber gut geschützt vor eventuellen Reiterattacken wären. Die leichten und schweren Berittenen - Kavallarioi (LH (S)) und Boukellarioi (Cv (S)) - sollten in der weiten Ebene zwischen den Geländestücken platziert werden, während die übrige Infanterie - Skoutatoi (Bd (I)) und Plänkler (Ps (S)) - so aufgestellt werden sollte, dass sie schnell den Sumpf würden erreichen und die etwaigen ostgotischen Truppen dort würden neutralisieren können. - Nach erfolgter Aufstellung der Ostgoten erkannten die Byzantiner zwar, dass deren tatsächliche Aufstellung nicht ihren Annahmen entsprach, stellten ihre eigene Armee aber dennoch den ursprünglichen Überlegungen gemäß auf. Der angepasste Plan bestand nun darin, die ostgotische Reiterei mit den Kavallarioi aus Kommando 1 zu beschäftigen, während Teile der Reiterei aus Kommando 2 rasch in die Lücke neben dem Sumpf vordringen sollten, um die linke Flanke der Ostgoten (aus Blickrichtung der Ostgoten) attackieren zu können. Die Infanterie aus Kommando 3 sollte in Richtung des Sumpfs vorstoßen, um den Angriff auf die linke ostgotische Flanke dort zu unterstützen. Kommando 2 wurde der höchste, Kommando 1 der mittlere und Kommando 3 der niedrigste PIP zugeteilt.



Battlereport_Early_Byzantine_vs_Italian_Ostrogothic_3_02.jpg
(2) Die Ostgoten eröffneten die Schlacht mit einem Linksschwenk ihrer schweren Reiterei des Kommandos 3. Die lange Kolonne der schweren Reiterei ihres rechten Flügels zog quer über den sanften Hügel ebenfalls nach links (aus ostgotischer Blickrichtung) hinüber, um das bereits stark massierte Zentrum weiter zu verstärken. Die Hauptmasse der übrigen Truppen der Kommandos 1 und 2 rückte geradeaus vor. Ganz hinten zog eine kleine Abteilung leichter Reiterei in Richtung der linken offenen ostgotischen Flanke, um diese zu schützen. Ein kleiner Verband Plänkler verließ zudem den Hügel und marschierte mit einem weiten Schwenk in Richtung auf die byzantinischen Bogenschützen zu.

Die Byzantiner führten ihren ursprünglichen Plan aus, obwohl sich die Bedingungen bereits zu ihren Ungunsten verändert haben. Die leichte Reiterei (Kavallarioi) im Zentrum rückte in geschlossener Formation leicht vor, die schwere Reiterei (Boukallarioi) rechts daneben reagierte auf den Schwenk der gotischen Reiterei, indem sie sich in einer schrägen Linie formierte, so dass sie direkt vis-à-vis gegenüber ihren Kontrahenten Stellung bezog. Die leichte Reiterei auf dem rechten Flügel stürmte in einer Kolonne weit in die Lücke neben dem Sumpf vor. Während die Plänkler ganz rechts außen wie ursprünglich geplant in Richtung des Sumpfs marschierten, wurden die Skoutatoi (Bd (I)) nach links in Richtung Zentrum beordert, um dort bereit zu stehen, eventuell im weiteren Verlauf der Schlacht auftretende Lücken in den Reihen der Reiterei zu füllen. Auf die heraneilenden ostgotischen Plänkler reagierten die Byzantiner, indem sie zwei Einheiten Bogenschützen in deren Richtung schwenkten, um sie unter Beschuss nehmen zu können.



Battlereport_Early_Byzantine_vs_Italian_Ostrogothic_3_03.jpg
(3) Die Kampfhandlungen begannen mit einem überraschenden Angriff von zwei Einheiten byzantinischer Kavallarioi, die die Chance ergriffen, eine Kolonne ostgotischer leichter Reiterei, die noch auf dem Weg zu ihrer Zielposition war, hart zu flankieren (Kampf Nr. 1 in der Abbildung). Dieser Vorstoß war ziemlich übereilt und, da die Byzantiner bis weit in die Reihen der Ostgoten vordringen mussten und sich somit isolierten, auch sehr riskant. Bei einem Erfolg der Attacke wäre aber der ostgotische General des Kommandos 2, der die leichte Reiterei begleitete, direkt in einen Nahkampf mit den Byzantinern verwickelt worden, so dass die Verlockung groß war. Leider war der Angriff nicht erfolgreich, und kurze Zeit später schlugen die Ostgoten zurück und vernichteten die beiden byzantinischen leichten Reiter-Einheiten, die schutzlos vorgeprescht waren! Damit war die byzantinische Bedrohung der ostgotischen Flanke auf diesem Flügel praktisch obsolet geworden, denn die verbliebenen zwei Einheiten leichter Reiterei, die erst jetzt, mit dem Sumpf im Rücken, ihre Position bezogen, waren zu wenig, um effektiv etwas gegen die dortige ostgotische Übermacht ausrichten zu können.

Zur gleichen Zeit entbrannten die Kämpfe im Zentrum bereits in aller Heftigkeit (Nr. 2 in der Abbildung). Das erfolgte viel früher, als es den Byzantinern passte, aber nach den Verlusten auf ihrem rechten Flügel war eine koordinierte Zangenbewegung nicht mehr realisierbar. Der Zusammenprall erfolgte frontal mit einem Erstschlag der schweren Reiterei der Ostgoten (Kn (F)) gegen die schwere Reiterei der Byzantiner (Cv (S)) - eine ungünstige Konstellation für die Byzantiner. Sie haben praktisch alle Kämpfe verloren und erlitten zunehmend hohe Verluste. Die Infanterie des byzantinischen Kommandos 3 rückte weiter in Richtung der Reiterkämpfe vor, stand aber noch zu weit entfernt, um in dieser Situation direkt eingreifen zu können.

Währenddessen verließen die ostgotischen Speerträger ihre Hügelposition. Sie waren zwar auch zu weit entfernt, um direkt in die Kämpfe eingreifen zu können, aber sie schützten wirkungsvoll die Flanke der benachbarten schweren Reiterei. Der kleine Verband ostgotischer Plänkler, der weit hinter die Linien der Byzantiner vorgedrungen war, überlebte jeglichen Beschuss durch die beiden, den Plänklern zugewandten Bogenschützen, spielte aber sonst keine entscheidende Rolle. Keine Rolle spielten aber auch die restlichen Bogenschützen der Byzantiner, die regungslos in der felsigen Ebene verharrten (ihr Kommandant wollte keinen Zusammenstoß mit den im Nahkampf überlegenen ostgotischen Speerträgern riskieren, auch nicht zugunsten der Chance, auf sie oder die benachbarten ostgotischen Reiter schießen zu können).



Battlereport_Early_Byzantine_vs_Italian_Ostrogothic_3_04.jpg
(4) Die Schlussphase der Schlacht, die sich - was sich in der vorigen Phase schon angedeutet hatte - zu einer Katastrophe für die Byzantiner entwickelte. Innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne brachen zwei byzantinische Kommandos und damit ihre gesamte Armee! Zuerst brach das zentrale Kommando (bei Nr. 1 in der Abbildung), nachdem über die gesamte Breite der Front andauernde schwere Kämpfe zwischen den Reitereinheiten der Ostgoten und der Byzantiner tobten und die Byzantiner in jedem einzelnen dieser Kämpfe den Kürzeren zogen. Rechts daneben (bei Nr. 2 in der Abbildung) gelang es den byzantinischen Skoutatoi (Bd (I)) noch, eine defensive Linie zu formieren, aber gegen die Attacken der schweren Reiterei der Ostgoten hatten sie niemals eine realistische Chance. Nachdem ausgerechnet die Einheit mit dem General (der keine andere Wahl hatte, als an vorderster Front mitzukämpfen) vernichtet wurde, war auch dieses Kommando augenblicklich gebrochen. Die Schlacht, in welche die Byzantiner aufgrund ihres vorherigen Sieges einst so motiviert gezogen waren, war damit beendet; die ostgotischen Verluste sind nicht nennenswert.

In dieser Schlacht lief leider alles schief, zum Teil durch widrige Umstände, zum Teil durch eigenes Versagen der Generalität. Das Gelände lag ungünstig, der Schlachtplan war zweifelhaft, die Kampfwürfel so mies wie kaum jemals zuvor (ich glaube, ich habe tatsächlich keinen einzigen Kampf gewonnen). Der erste Angriff auf den noch unorganisierten Verband ostgotischer leichter Reiterei war einerseits riskant und übereilt, hätte andererseits aber bei Erfolg das Potential gehabt, den Verlauf entscheidend zu ändern, sofern der dortige General der Ostgoten nicht aus der Gefahrenzone entkommen wäre und die Byzantiner die Möglichkeit gehabt hätten, direkt nachzustoßen. "Wäre" und "Hätte" zählen aber auf dem Feld der Ehre nicht, sondern nur die harte und blutige Kraft des Faktischen, die in diesem Fall in einem 25:0 VP für die Ostgoten resultierte...

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