12. Big Trouble Maker Cup
Die Flammen der Autofackel werfen zackige Schatten an die krude Felswand der Kaverne. Sie scheinen die beiden Eindringlinge anzustarren wie Phantome einer längst untergegangenen Zivilisation. Die Luft riecht abgestanden und ist zersetzt von Feuchtigkeit sowie verschiedenen mineralischen Reststoffen. Dennoch ist sie atembar, zumindest für eine Weile. Das Echo ihrer Schritte hallt durch die steinernen Gänge der uralten Nekropole. Überreste xenotechnologischer Apparate quellen wie Geschwülste aus dem Fels und begleiten jede ihrer Bewegungen. Zeitlose Runen eines längst vergessenen Volkes zieren die Wände, doch ihre einstige Magie ist schon seit Jahrtausenden erloschen. Alles, was noch bleibt, ist die langsam zerbröckelnde Erinnerung an den Glanz einer verschollenen Hochkultur.
„Was erhofft ihr hier zu finden, Meister?“
„Antworten.“
Die Stimme des weißbärtigen Mannes wirkt brüchig. Er schnauft schwer und stützt sich bei jedem Schritt auf seinen knutenartigen Gehstock. Dennoch eilt er unaufhaltsam tiefer in das unheilige Gewölbe.
„Aber Meister, die Ruinen von Xerobandt zu betreten, ist verboten. Wer es dennoch versucht, wird vom Fluch der Xenos getroffen.“
„Pah, Asthor, erspar mir deinen Aberglauben.“
„Das ist kein Aberglaube, Meister. Jeder der Einheimischen kennt diese Legende und der Zugang zum Actor-Tal ist nicht ohne Grund blockiert.“
Der alte Mann hält inne. Mit einem Blick der Missbilligung dreht er sich zu seinem Akolythen um und erfasst ihn mit seinen kohlschwarzen Augen.
„Junge, hör mir zu! Annabell, die Heilige der sieben Gärten des Imperators, persönlich hat mich an ihrer Vision teilhaben lassen. Sie hat mir das Ende gezeigt und einen Weg für das Imperium, es zu überstehen.“
„Das Ende von was, Meister?“
„Der zehnten Dekade der Malleus-Bellicus-Synopse. Hörst du mir denn nicht zu, Junge? Ich habe dir doch erklärt...“
Der Rest seines Satzes geht in einem Hustenanfall unter.
„Meister, geht es euch gut?“
Asthor eilt zu dem alten Mann und stützt ihn. Mit rotem Gesicht und schwer atmend versucht sein Meister, weiter in die Nekropole vorzudringen. Doch mit einem Mal hält er inne. Sein Blick fällt auf fein geschwungene Symbole in der Felswand, die offenbar eine Abzweigung markieren sollen.
„Hier, Asthor, sieh! Hier sind wir richtig. Wir müssen hier lang.“
„Ich verstehe nicht, Meister, was hat das zu bedeuten?“
„Das da sind Runen der Aeldari, Junge. Einst war dies eine Jungfernwelt der Eldar, bis sie von jenen Maschinenwesen erobert wurde, die im Imperium als die Necron-Tyr bekannt sind. Eldar-Hexer und Maschinen bekämpften einander, bis sie schließlich beide kurz vor der Auslöschung standen. Doch mit Beginn der Malleus-Bellicus-Synopse hörten sie auf. Sie hatten eine Wahrheit erfahren, die größer ist, als sie selbst. Eldar und Necron-Tyr, Todfeinde seit Beginn der Schöpfung, verbündeten sich miteinander, um diese Wahrheit zu bewahren. Das ist einzigartig im Universum.“
„Was für eine Wahrheit, Meister?“
„Sieh, hier!“
Er deutet auf ein Symbol, welches den Körper einer Schlange hat, die ein Dreieck als Kopf trägt.
„Diese Rune heißt Illianthes. Das bedeutet so viel wie ‚Unbill‘ oder ‚Ärger‘. Wenn ich es richtig übersetze, steht hier ‚Weg des großen Ungemachs‘.“
Asthor schüttelt nachsichtig den Kopf, in seinen Augen spiegelt sich Mitleid mit dem alten Mann wider.
„Meister, selbst wenn ihr diese Xenossprache richtig deutet, wie soll uns das weiterhelfen? Kommt, lasst uns nach draußen gehen, bevor wie noch erfahren, was mit diesem Ungemach gemeint ist.“
„Nein, Junge, du verstehst nicht. ‚Unbill‘, ‚Ungemach‘, ‚Ärger‘. Die Heilige Annabell sagte, ich müsse dem Pfad des Ärgers bis zum Ende folgen. Komm! Hier sind wir richtig.“
„Aber Meister ...“
Doch der alte Mann ist nicht aufzuhalten. Störrisch treibt er seinen geschundenen Körper voran und dringt immer tiefer und tiefer in die Kaverne vor. Kabelstränge quellen wie Gedärme aus den Felswänden. Maschinen, deren Sinn und Zweck sich nicht einmal erahnen lassen, türmen sich überall um sie herum auf. Zwischen ihnen leuchten Kristalle und tauchen alles in ein grünliches Dämmerlicht. So viele Abzweigungen haben sie bereits genommen, dass der Weg nach draußen längst in Vergessenheit geraten ist. Er ist nicht mehr wichtig. Nur noch das Ziel zählt. Also folgen sie weiter dem Weg des Ärgers. Bis der alte Mann plötzlich stoppt.
„Asthor, leuchte mir!“
Der Akolyth kommt näher und der Schein der Autofackel fällt auf übermenschengroße Rippen aus einem unbekannten Metall, die Teil des Knochengerüsts eines riesigen Körpers sind. Er tritt einen Schritt zurück, um das ganze Konstrukt vor ihm zu erleuchten. Es scheint zur Hälfte mit der Felswand verschmolzen zu sein.
„Was beim unsterblichen Imperator...“, zuckt der Akolyth zurück und muss einen Aufschrei unterdrücken.
„Hab keine Angst, Asthor. Sieh doch! Dort auf der Stirn des Dings, die Rune: Illianthes. Ich wusste es.“
Mit ausgestrecktem Zeigefinger deutet der alte Mann auf die Maschinengestalt vor ihm und ohne eine Reaktion abzuwarten, geht er auf sie zu. Der Ausdruck in seinen funkelnden Augen liegt irgendwo auf dem schmalen Grad zwischen Gewissheit und Wahnsinn. Seine Hand berührt das kühle Metall der Xenosgestalt.
„Meister, nicht ...“, schreit Asthor ihm noch eine Warnung zu. Doch es ist zu spät.
Metall beginnt zu ächzen, der Boden bebt und Geröll fällt von der Felswand, als sich das riesenhafte Skelett zu bewegen beginnt. In seinen tiefen Augenhöhlen erscheint ein grünes Glühen, während es sich aus dem Stein löst und sich nach vorne beugt. Eine metallene Klaue greift nach dem Körper des alten Mannes. Mühelos hebt ihn die Maschine hoch und zieht ihn näher an sich heran. Leuchtende Runen erscheinen mitten in der Luft, umschwirren seinen hilflosen Körper, tanzen immer wilder und wilder um ihn herum und dringen schließlich in ihn hinein. Der alte Mann schreit vor Schmerzen. Er presst die Augenlieder aufeinander, während er blutige Tränen weint. Mit aller Gewalt hält er sich die Ohren zu und wirft verzweifelt den Kopf in den Nacken. Dann spricht eine Stimme, die seit Äonen nicht mehr im Universum zu hören war, ein einzelnes Wort der Macht aus:
„Lerne!“
Die Holoprojektion erlischt. Abrupt wird es ein wenig dunkler im Arbeitszimmer von Erzmagos Kaidlan. Asthor blinzelt die Nachbilder weg, die noch immer vor seinen Augen aufblitzen, als er die fordernde Stimme von Inquisitorin Thalien vernimmt.
„Hier endet die Aufzeichnung, Akolyth Asthor. Sprecht! Der Inquisitor, was hat dieses Ding mit ihm angestellt?“
Asthor zuckt zusammen und wendet instinktiv seinen Blick von ihr ab.
„Ich weiß es nicht, Inquisitorin.“
Das mechanische Surren seiner Servomotoren ist deutlich zu vernehmen, als Erzmagos Kaidlan näher an den Akolythen herantritt. Eine seiner Mechandriten packt ihn unsanft an der Schulter.
„Meine Sensoren zeigen, dass er lügt.“
Asthor schreit auf, als sich der metallene Tentakel schmerzhaft in sein Schulterblatt drückt.
„Aufhören! Bitte! Ich lüge nicht.“
Inquisitorin Thalien hebt ihre gepanzerte Hand. Erzmagos Kaidlan entlässt den Akolythen aus seinem stählernen Griff und tritt einen Schritt zurück.
„Was verschweigst du uns?“
Verzweifelt hebt Asthor seinen Kopf und schaut nun die Inquisitorin an.
„Ich schwöre, ich habe die Wahrheit gesagt. Ich weiß wirklich nicht, was dieses Ding mit ihm angestellt hat. Doch seit wir die Ruinen von Xerobandt verließen, sprach der Inquisitor nur immer wieder und wieder von einem Fehler, den er gemacht hat.“
„Was für ein Fehler?“
„Der Weg des Ärgers, Inquisitorin. Er ist der Überzeugung, dass er die Runen falsch übersetzt hat. Es ist kein Weg, vielmehr eine Zusammenkunft.
„Was meint ihr?“
„Die Malleus-Bellicus-Synopse. Der Inquisitor sagte, er wisse nun, wie das Ende der zehnten Dekade aussehen würde. Er sprach von einer großen Zusammenkunft. Er nannte sie den 12. Big Trouble Maker Cup.“
Was: 12. Big Trouble Maker Cup - Koblenz
Wo: Haus der offenen Tür in Koblenz-Metternich
Wann: SA 16.05.2026
https://www.tabletopturniere.de/t3_tournament.php?tid=40230
Gruß
ProfessorZ
12. Big Trouble Maker Cup - Koblenz
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ProfessorZ
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- Registriert: Di 16. Mai 2017, 19:56
- Spielsysteme: Warhammer 40k
9th Age